Gestern Abend erhielt ich einen Anruf des Kaskadenkondensators, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich wurde gefragt, ob ich eine Rolle im Projekt Longing for Paradise übernehmen möchte. Ich konnte wählen zwischen der Rolle des Beobachters und der des Orakels. Ich entschied mich spontan für die Beobachter-Rolle. Nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, fragt ich mich warum Beobachter und nicht Orakel. Worin unterscheidet sich das Orakeln vom Beobachten. Was leistet das eine, was das andere nicht leisten kann.
Ich dachte zunächst an Permutationen von Vokalen:
Ich entschied mich spontan für die Beobachter-Rolle.
Aber genug mit dem Rätseln. Um meine Aufgaben als Beobachter besser zu verstehen, las ich zunächst das Konzeptpapier zum Projekt. Es lautet:
Gesucht ist also der ideale Kunstort, der beglückenden Ertrag für angemessenen Aufwand verspricht.
Selbst ist die Kunst, herausgegeben vom Kaskadenkondensator 2004, edition fink.
Was gibt es beglückenderes und ertragreicheres als ein Projekt fortzuführen, das bereits in verdichteter und gebündelter Form vorliegt. Zum Beispiel dieses Buch hier, mit dem Titel "Selbst ist die Kunst" herausgegeben 2004 vom Kaskadenkondensators anlässlich seines 10 jährigen Bestehens. Das Buch enthält Texte und Gespräche von Menschen, die sich für Kunst und deren Organisation interessieren.
Die Organisation von Gedanken ist eine Art Kristallisation. Neue Gedanken wachsen um alte Gedanken herum. Die Kristallisation ist ein langsamer Vorgang von paradisiescher Ruhe. Longing for Paradise bedeutet "Langsam fürs Paradies".
In seinem Aufsatz "Hobbyeske Verschwendungen - vom Glück zu verschenken führt Hans-Christian Dany den Begriff des Hobbys in der Kunst ein. Für ihn hat das Hobby ein grosses Potential. Hobby ist für ihn etwas, das aus Liebe zur Sache getan wird, etwas das auch nach Wegfall der Bezahlung noch getan wird.
... Wenn der Energieüberschuss nicht mehr für Wachstum verwendet werden kann, muss er verschenkt werden.
Dany zitiert einen Text von Georges Bataille. Die Aufhebung der Ökonomie. Bataille geht davon aus, dass auf der Erde mehr Energie zur Verfügung steht, als zur Erhaltung des Wachstums notwendig ist. Wenn der Energieüberschuss nicht mehr für Wachstum verwendet werden kann, muss er verschenkt werden. Durch das Geschenk ensteht eine andere Form des Erwerbs. Der Schenkende bereichert sich um die Verachtung des Reichtums und er hütet jetzt die Freigiebigkeit als neuen Besitz.
In ihrem Artikel "Warum denn Spielen - ist die Angelegenheit nicht viel zu Ernst ?" berichtet Chris Regn unter anderem über das Galeriespiel. Das Galeriespiel wurde vom Kasko 1999 entwickelt. In diesem Projekt wurden Faktoren durchgespielt, die aus der Sicht der Autorinnen im Kunstbetrieb von Bedeutung sind: Liebe, Geld und Abenteuer. In einem Vernissage-Marathon wurden sieben Vernissagen in acht Stunden gefeiert.
Ausstellung mit Ralph Hauswirth, anneé marié léon sutter, Beatrice Maritz, Petr Michalek, Christiane Oppermann, Marianne Rinderknecht und Anita Zimmermann, Markus Schwander, Bruno Steiner, Sibylle Völkin und Petitprince. Performances von Iris Beatrice Baumann und MIRZLEKID (Hansjörg Köfler) Paradiesische Häppchen von Samuel Herzog.
Hier wird der ideale Kunstort durch Simulation gesucht. Anhand eines Simulationsmodells lassen sich komplexe Prozesse beschleunigt und vergleichsweise kostengünstig durchlaufen. Die Methode der Simulation wird in vielen Branchen und Industrien verwendet, zum Beispiel in der Automobilindustrie. AUOOIIUI je. Die ihr zugrunde liegende Ökonomie ist nicht die des Verschwendens sondern des Sparens.
... Ich denke, es ist eine Art zu leben und ich finde es beglückend und verbunden mit endloser Erfindung.
Katrin Krögel fragt in verschiedenen Kunsträumen nach Utopien, Wünschen und Visionen. Olivier Kaeser vom Raum attitudes in Genf antwortet:
... Ich halte das Leben für gut genutzt, wenn ich mich auf sehr bewusste Art verbrauchen kann.
In den selben Artikel antwortet Sandi Paucic vom Raum K3 in Zürich auf Krögels Frage nach seiner Lebensutopie:
Eine Hefe, die gerade mal die ersten Blasen wirft, was ist der Kaskadenkondensator und für wen ? Ein Gespräch mit Eva Bächtold, Pascale Grau, Samuel Herzog, Andrea Saemann und Martina Siegwolf.
Was ist der Kaskadenkondensator und für wen ?
Was gibt es beglückenderes und ertragreicheres als eine Arbeit fortzuführen, die bereits in verdichteter und gebündelter Form vorliegt. Zum Beispiel dieses Buch hier, mit dem Titel "Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit" von Baltasar Gracian, einem spanischen Jesuiten aus dem 17 Jhd. Als heroischer Nörgler wirft er einen illusionslosen Blick auf die Gesellschaft.
Handorakel der Weltklugheit von Baltasar Gracián.